Muskeldystrophien sind eine klinisch und genetisch
heterogene Gruppe primär degenerativer, progressiv verlaufender
Muskelerkrankungen. Das Manifestationsalter der Erkrankung ist sehr
variabel. Die Klassifikation der vielen Formen der Muskeldystrophien
erfolgt heute zumeist auf Grund ihrer defekten Genprodukte und der
Vererbungsmuster. Eine Untergruppe der Muskeldystrophien stellen
die Gliedermuskeldystrophien (limb girdle muscular dystrophy, LGMD)
dar. LGMDs werden in autosomal dominante (LGMD1A-1D) und rezessiv
(LGMD2A-J) vererbte Formen unterteilt.
Kürzlich zeigten Studien, dass C-terminale Mutationen im TITIN
(TTN)-Gen ursächlich für eine autosomal dominante distale
Myopathie, der tibialen Muskel¬dystro¬phie (TMD; OMIM 600334)
und eine LGMD2J (OMIM 608807; Hackman et al 2002; Van den Bergh
et al 2003), allelische Formen der Titinopathie, sind. Zusätzlich
wurden von Udd et al (2005) in den letzten Exons des TTN-Gens Insertionen/Deletionen
in finnischen Patienten mit LGMD-Phänotyp nachgewiesen. Dieser
Bereich in der M Line des Titin-Moleküls beinhaltet die Bindestelle
für ein weiteres wichtiges Muskelprotein, das Calpain 3. Deshalb
werden zur „hot-spot“-Mutationsanalyse der LGMD2J aus
der genomischen DNA mittels PCR die letzten beiden Exons des TTN-Gens
(312 und 313 Isoform 4) amplifiziert und direkt sequenziert.
Literatur:
Hackman, P.; Vihola, A.; Haravuori, H.; Marchand,
S.; Sarparanta, J.; de Seze, J.; Labeit, S.; Witt, C.; Peltonen,
L.; Richard, I.; Udd, B. : Tibial muscular dystrophy is a titinopathy
caused by mutations in TTN, the gene encoding the giant skeletal-muscle
protein titin (2002) Am. J. Hum. Genet. 71: 492-500.
Udd B, Vihola A, Sarparanta J, Richard I, Hackman
P.: Titinopathies and extension of the M-line mutation phenotype
beyond distal myopathy and LGMD2J (2005) Neurology 64:636-642.
Van den Bergh, P. Y. K.; Bouquiaux, O.; Verellen,
C.; Marchand, S.; Richard, I.; Hackman, P.; Udd, B.: Tibial muscular
dystrophy in a Belgian family (2003) Ann. Neurol. 54: 248-251.