Canavan Syndrom
Das Canavan Syndrom ist eine autosomal rezessiv vererbte Stoffwechselkrankheit,
bei der die Myelinschicht abgebaut wird, welche die Nerven im Gehirn
schützend umgibt.
Im Zytoplasma der Zelle finden wesentliche Vorgänge des menschlichen
Stoffwech¬sels statt. Unter anderem werden Aminosäuren
abgebaut, die Baisteine der Eiweiße. Durch den genetischen
Defekt, der bei der Canavan-Krankheit zugrunde liegt, besteht ein
Mangel des Enzyms Aspartoazylase. Dieser Enzymmangel bewirkt, dass
die Aminosäure N-Acetylaspartat im Gehirn nicht abgebaut werden
kann. Durch die Ansammlung von N-Acetylaspartat (NAA) wird Myelin
zerstört, die weiße Substanz wird “schwammig”.
Die Patienten fallen meist durch Makrozephalus (großen Kopf)
auf; schon in den ersten 3-9 Lebensmonaten verlernen die Kinder
ihre bis dahin entwickelten psychomotorischen Fähigkeiten wie
beispielsweise Kopf¬ halten, Drehen und Sitzen. Hinzu kommt
anfangs eine muskuläre Hypotonie (Spannungsarmut), die in spastische
Lähmungen (erhöhte Spannung in den Muskeln) übergeht,
sowie Krampfanfälle. Bei Kernspinaufnahmen des Gehirns lassen
sich diffuse Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, des
Myelins, erkennen. Viele Patienten sterben bereits in den ersten
Lebensjahren, die meisten werden nur weniger als 10 Jahre alt. Der
Krankheitsverlauf ist progressiv, durch zunehmende Lähmungen
können sich die Kinder nicht mehr richtig bewegen und teilweise
keine Nahrung mehr aufnehmen, weshalb auf Sondenernährung umgestellt
werden muss. Hinzu können dann Blindheit, teilweise auch Taubheit
kommen.
Die Diagnose kann durch die abnorme Ausscheidung von N-Acetylaspartat
(NAA) im Urin, durch Enzymbestimmung der Aspartoazylase in Fibroblasten
und über das typische Kernspinbild gestellt [Info]
und abschließend mit einer molekulargenetischen Untersuchung
bestätigt werden.
Inzwischen wurden ~55 Mutationen im Aspartoazylase (ASPA)-Gen (17pter-p13;
6 Exons) veröffentlicht. Für Mutationsanalyse des ASPA-Gens
werden die 6 Exons mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) amplifiziert
und unter Einschluss der konservierten Exon/Intron Grenzen direkt
sequenziert.