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Universitätsstrasse 150 / 44801 Bochum / Tel. +49 234 3223839
Central Core Disease


Allgemeine Informationen

Maligne Hyperthermie (OMIM 145600)

Maligne Hyperthermie (MH) ist eine seltene (ca. 1:10.000 in der Bevölkerung auftretende) autosomal dominant (ad) vererbte, "pharmakogenetische" Erkrankung. Bei klinisch-neurologisch meist unauffälligen Patienten wird diese Erkrankung erst unter oder nach Narkose erkannt, wobei die gesamte Skelettmuskulatur abnorm auf halogenierte Anästhetika und depolarisierende Muskelrelaxantien (sog. Trigger-Substanzen) reagiert.
Während einer MH - Krise entgleist die normale Kontrolle des Kalziumstoffwechsels. Erhöhte Kalziumkonzentration bewirkt generelle Stimulation sämtlicher energieverbrauchender Prozesse in der Skelettmuskulatur (quergestreifte Muskeln) und führt zur charakteristischen Stoffwechselsteigerung im gesamten Organismus durch Erhöhung des Blutdruckes und der Pulsfrequenz sowie durch Anstieg der Körpertemperatur.
Das klinische Bild kann von differentialdiagnostisch schwierigen MH-Episoden bis zur fulminanten MH-Krise reichen. Eine frühzeitige Diagnose erfolgt dank der Monitorisierung der Patienten mit Elektrokardiographie (EKG) und Kapnographie.
Abklärung bei MH-verdächtigen Reaktionen erfolgt mit der in-vitro-Muskelkontrakturtestung (IVT) mit Halothan und Koffein.

Mit MH assoziierte Erkrankung - Central Core Disease (OMIM 117000)

Central Core Disease (CCD) ist eine hauptsächlich ad vererbte, seltene, erbliche Muskelschwäche, die häufig mit der Disposition zur MH einhergeht. In der Muskelbiopsie sind histologisch zentrale, helle Flecken ("cores"), die die reguläre Struktur der Myofibrillen unterbrechen, Desorganisation des kontraktilen Apparates und fehlende Mitochondrien erkennbar. Klinisch finden sich ab der Geburt eine Hypotonie der Muskulatur (floppy infant), verzögerte motorische Entwicklung, Ptose, proximal betonte Paresen und belastungsabhängige Muskelkrämpfe. Gehäuft finden sich Skelettanomalien wie Hüftgelenksdysplasien und Skoliose. Ein Viertel der CCD-Patienten weisen auch eine MH auf. Der Krankheitsverlauf ist langsam progredient.


Molekulargenetische Diagnostik

Sowohl MH und CCD sind genetisch heterogene Erkrankungen. Ein wichtiger krankheitsverursachender Lokus wurde in einigen Familien sowohl für die MH als auch für CCD auf die Chromosomen-Region 19q12-13.2 eingegrenzt. In diesem chromosomalen Bereich wurde das Gen für den muskulären Ryanodinrezeptor (RYR1), den Ca2-freisetzenden Ca2-Kanal des sarkoplasmatischen Retikulums kartiert. Das 159.000 Basenpaar große Gen umfasst 106 Exons und ist mit 2.200 kDA und 5000 Aminosäuren für die vollständige Mutationsanalyse recht umfangreich. Zahlreiche Hot-spot-Mutationen wurden für die MH in der N-terminalen Region und zentralen Abschnitten des Gens und für die CCD hauptsächlich im den C-Terminusbereich identifiziert (siehe Tabelle 1).
In unserem Institut werden 18 Abschnitte dieses RYR1 Gens mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt und mittels denaturing high-performance liquid chromatographie (DHPLC) auf mindestens 95 der häufigsten Mutationen hin untersucht. Diese Mutationen werden bei etwa 25-35% der MH-Patienten identifiziert.

Tabelle 1: Hotspot- Mutationen für MH und CCD im RYR1 Gen

Exon

Kodon

Nukleotidwechsel

Deletion

Aminosäure-wechsel

Phänotyp

6

163

cCGC-TGC

Arg-Cys

CCD

6

177

CGC-TGC

Arg-Cys

MH*

11

341

cGGG-AGG

Gly-Arg

MH

12

403

ATCc-ATG

Ile-Met

CCD

14

522

TAT-TCT

Tyr-Ser

MH

15

533

CGT-CAT

Arg-His

MH

15

552

tCGG-TGG

Arg-Trp

MH

17

614

aCGC-TGC

Arg-Cys

MH

17

614

CGC-CTC

Arg-Leu

MH

39

2129

GACg-GAG

Asp-Glu

MH

39

2163

cCGC-TGC

Arg-Cys

MH

39

2163

CGC-CAC

Arg-His

MH

39

2163

CGC-CCC

Arg-Pro

MH

39

2168

cGTG-ATG

Val-Met

MH

40

2206

ACG-AGG

Thr-Arg

MH

40

2206

ACG-ATG

Thr-Met

MH

44

2346

AGAGC^GTGGAggaGAACGCCAAT

MH

44

2350

cGCC-ACC

Ala-Thr

MH

44

2359

CGG-TGG

Arg-Trp

MH*

44

2375

GGG-GCG

Gly-Ala

MH

45

2428

GCC-ACC

Ala Thr

MH

45

2434

cGGA-AGA

Gly-Arg

MH

45

2435

CGC-CAC

Arg-His

CCD

45

2435

CGC-CTC

Arg-Leu

CCD

46

2452

gCGG-TGG

Arg-Trp

MH

46

2453

ATC-ACC

Ile-Thr

MH

46

2454

cCGC-TGC

Arg-Cys

MH

46

2454

CGC-CAC

Arg-His

MH

46

2458

cCGC-TGC

Arg-Cys

MH

46

2458

CGC-CAC

Arg-His

MH

62

3062

CCA-CCG

Pro-Pro

Polym.

70

3527

gCCC-TCC

Pro-Ser

arCCD mit

minicores

95

4646

CTGCGG^TGTCtgagccTCCTGCATAC

CCD

100

4793

CTG-CCG

Leu-Pro

CCD

100

4796

TAT-TGT

Tyr-Cys

CCD

100

4811

GCT-ACT

Ala-Thr

CCD*

100

4825

gCGC-TGC

Arg-Cys

CCD

100

4826

cACC-ATC

Thr-Ile

MH

101

4849

Homolog zur ar congenitalen Myopathie

Val-Ile

arMY-CCD

101

4859

CTTCAAC^TTCttcCGCAAGTTCT

CCD

101

4861

CGC-CAC

Arg-His

CCD

102

4891

gGGT-CGT

Gly-Arg

CCD

102

4893

cCGG-TGG

Arg-Trp

CCD

102

4898

ATT-ACT

Ile-Thr

CCD

102

4899

tGGG-AGG

Gly-Arg

CCD

102

4899

GGG-GAG

Gly-Glu

CCD

102

4906

GCG-GTG

Ala-Val

CCD

102

4914

cAGG-GGG

Arg-Gly

CCD

Erweiterter Ausschnitt der RYR1-Mutations-Tabelle von HGMD (The Human Gene Mutation Database Cardiff). ar = autosomal rezessiv; * = Mutation noch nicht publiziert; Tabelle und Referenzen unter:

http://archive.uwcm.ac.uk/uwcm/mg/ns/1/120359.html

 


Ansprechpartner

Dr. Gabriele Dekomien

Humangenetik
Gebäude MA 5
Ruhr-Universität
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Germany

Tel.: +49 234 32 25764
Fax: +49 234 32 14196

 


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