DRPLA ist eine
progrediente neurodegenerative Erkrankung, die unter dem klinischen
Bild von cerebellärer Ataxie, myokloner Epilepsie, Choreoathetose
und - in fortgeschrittenen Stadium - Demenz verläuft. Überwiegt
der choreoathetotische Aspekt, so kann die klinische Abgrenzung
zu Morbus Huntington schwierig sein. Die DRPLA ist in Japan ein
relativ häufiges Krankheitsbild (bis zu 20% aller hereditären
Ataxien), kommt in Europa aber nur sehr selten vor.
Wie Morbus
Huntington und verschiedene SCA-Formen gehört die DRPLA zu
den Polyglutaminerkrankungen. Krankheitsursächlich ist eine
pathologische Expansion eines CAG-Tripletmotivs im codierenden Bereich
des DRPLA(B37)-Gens auf Chromosom 12p13.31. Während in der
Normalbevölkerung auf beiden Chromosomen 3-36 CAG-Wiederholungen
vorkommen, ist bei Anlageträgern für DRPLA mindestens
ein Allel auf 49 bis 88 CAG-Wiederholungen verlängert. Entsprechend
ist bei Anlageträgern der Polyglutamintrakt im Genprodukt Atrophin-1,
dessen Funktion noch unbekannt ist, pathologisch expandiert. Ein
Überlappungsbereich zwischen normalen und pathologischen Allelen
kommt nicht vor. Der Erbgang ist autosomal-dominant, wobei die Penetranz
nicht vollständig zu sein scheint. Antizipation verbunden mit
erhöhter Instabilität des CAG-Blocks kommt vermehrt bei
paternaler Vererbung und insgesamt häufiger als bei den meisten
anderen Polyglutaminerkrankungen vor. Erkrankungsbeginn (1. bis
7. Dekade) und -verlauf können, u.a. abhängig von der
Länge des CAG-Blocks, sehr variabel sein. Eine kausale Therapie
existiert bis heute nicht.
Eine identische
Verlängerung des CAG-Blocks im DRPLA-Gen findet sich beim Haw-River-Syndrom.
Es unterscheidet sich klinisch von der DRPLA durch das Fehlen der
epileptischen Komponente. Neuropathologisch finden sich ausgedehnte
subkortikale Demyelinisierungen und Verkalkungen der Basalganglien.