Vorkommen:
2-5% aller kolorektalen Karzinome
Vererbung/Pathogenese:
HNPCC wird durch eine Keimbahnmutation in einem der DNA-Reparaturgene
MLH1, MSH2, MSH6 oder PMS2 verursacht. Durch Ausfall der zweiten
Genkopie des DNA-Reparaturgens in einer Zelle („second hit“)
steigt das Risiko für falsche Basenpaarung bei der Zellteilung
mit nachfolgenden weiteren genetischen Veränderungen. Die Zelle
kann in der Folge maligne entarten.
Klinisches
Bild: HNPCC ist gekennzeichnet durch ein Tumorspektrum
in verschiedenen Organsystemen, welches neben dem Kolorektum das
Endometrium, den Dünndarm, ableitende Harnwege, Magen, hepatobiliäres
System, Ovarien, Gehirn und Haut betrifft. Der Großteil der
Patienten zeigt ein frühes Manifestationsalter. Meta- und synchrone
Tumoren sind charakteristisch und die Tumoren weisen oft HNPCC-typische
histologische Veränderungen auf.
Diagnostik:
Im Vorfeld sollten die klinischen Kriterien (Amsterdam I/II, Bethesda)
anhand einer Stammbaumanalyse abgefragt werden. Konnte die Indikation
zur genetischen Diagnostik gestellt werden, ist die Untersuchung
von Tumorgewebe auf Mikrosatelliteninstabilität und Expression
der DNA-Reparaturgene MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2 mittels Immunhistochemie
der nächste diagnostische Schritt. Dem Ergebnis der Immunhistochemie
entsprechend sollte sich die Mutationssuche im nicht exprimierten
DNA-Reparaturgen anschließen.
Die Gene MLH1, MSH2 und MSH6 werden mittels DHPLC auf Sequenzveränderungen
gescreent und Auffälligkeiten durch Sequenzierung überprüft.
Die Gene MLH1 und MSH2 werden mittels MLPA auf das Vorliegen großer
Deletionen untersucht.
Eine prädiktive Testung ist nur bei bekannter familientypischer
Mutation und stattgehabter genetischer Beratung möglich.
Untersuchungsmaterial:
Tumorgewebe, EDTA-Blut