2) HMSN Typ III (Déjérine-Sottas-Syndrom)
(OMIM #145900)
Mit Déjérine-Sottas-Syndrom wurde
eine besonders schwere Verlaufsform der HMSN Typ I bezeichnet,
mit einer Manifestation bereits in der frühen Kindheit. Es
gibt sowohl autosomal dominante als auch rezessive Formen. Beim
Déjérine-Sottas-Syndrom wurden Mutationen in den
Genen PMP22, MPZ, EGR2 und PRX
gefunden. Diese Gene können auch bei anderen, leichteren
Verlaufsformen einer HMSN verändert sein.
Methodik: Punktmutationssuche im PMP22-,
MPZ- und EGR2-Gen (wird nach Rücksprache
durchgeführt)
Sofern eine Punktmutation im PMP22-Gen ausgeschlossen
werden kann, erfolgt die Mutationssuche im MPZ-Gen. Die
Untersuchung des EGR2-Gens erfolgt nach Rücksprache.
3) HMSN Typ II (axonal)
Als Typ II werden die axonalen Formen der HMSN
bezeichnet, bei denen die NLG in der Regel nicht verringert ist.
Die HMSN Typ II folgt einem autosomal dominanten Vererbungsmodus.
Mutationen im MFN2-Gen sind die häufigsten bekannten
Ursachen einer HMSN Typ II.
Allerdings wird in Bezug auf die NLG die phänotypisch
eher axonale Form häufig durch Mutationen in den Genen GJB1
(X-chromosomaler Vererbungsmodus) und MPZ verursacht.
In Abhängigkeit von der Familienanamnese und der Symptomatik
kann es sinnvoll sein, erst das GJB1/Cx32- und MPZ-Gen
zu untersuchen.
Bei Verdacht auf eine eher axonale Neuropathie
wird erst die Untersuchung des GJB1/Cx32-Gens empfohlen.
Liegt eine Vererbung von Vater zu Sohn vor, sollte zuerst das
MPZ-Gen untersucht werden. Bei weiterhin bestehendem
Verdacht auf eine eher axonale Form ist eine Untersuchung des
MFN2-Gens sinnvoll (nach Rücksprache).
Eine seltene Ursache der axonalen HMSN mit überwiegend
motorischer Komponente stellt die HMSN Typ II 2 L dar. Dieser
Typ wird durch Mutationen im HSPB8/HSP22-Gen verursacht,
welches für das small 22kDa heat shock Protein codiert.
Mutationen in diesem Gen können auch für die distale
hereditäre motorische Neuronopathie Typ IIA (dHMN2A; OMIM
#158590) ursächlich sein, beide Krankheitsbilder weisen einen
überlappenden Phänotyp auf. Die HMSN Typ II F wird durch
Mutationen im HSPB1/HSP27-Gen verursacht, welches für
das small 27kDa heat shock Protein codiert. Die Untersuchung
der beiden small heat shock protein - Gene kann
nach Rücksprache durchgeführt werden.
HMSN II A2 (OMIM #609260)
Methodik: Punktmutationssuche im MFN2-Gen
(wird nach Rücksprache durchgeführt)
HMSN II I/J (OMIM #607677 #607736)
Methodik: Punktmutationssuche im MPZ-Gen
(wird nach Rücksprache durchgeführt)
HMSN II F/L (OMIM #606595 #608673)
Methodik: Punktmutationssuche im HSPB1/HSP27-Gen
und/ oder HSPB8/ HSP22-Gen (wird nach Rücksprache
durchgeführt)
Literatur:
Evgrafov et al. Mutant small heat-shock protein 27 causes axonal
Charcot-Marie-Tooth disease and distal hereditary motor neuropathy.
Nat Genet. 2004, 36(6):602-6.
Irobi et al. Hot-spot residue in small heat-shock
protein 22 causes distal motor neuropathy. Nat Genet. 2004, 36(6):597-60.
4) X-chromosomal vererbte HMSN / CMTX1 (OMIM
#302800)
Mutationen im GJB1-Gen, welches für
das Connexin32-Protein codiert, sind die zweithäufigste Ursache
einer hereditären Neuropathie. Diese Form wird dominant vererbt,
es findet keine Vererbung von Vater zu Sohn statt. Die NLG von
Patienten mit HMSN X1 variieren interindividuell aber auch intraindividuell
sehr stark und können im Bereich der HMSN I oder der HMSN
II liegen. Generell ist bei Männern meist eine schwerere
Ausprägung, bei Frauen ein meist milderer Verlauf der HMSN
X1 charakteristisch.
Methodik: Punktmutationssuche im GJB1/Connexin
32-Gen
5) HNPP (hereditäre Neuropathie mit Neigung
zu Drucklähmungen) (OMIM #162500)
Bei dieser Erkrankung, auch tomakulöse
Neuropathie genannt, kommt es zu intermittierenden Paresen, insbesondere
bei mechanischer Belastung. Dazu kommt ein charakteristisches
histologisches Bild in der Nervenbiopsie. Die Erkrankung wird
autosomal dominant vererbt und häufig durch eine Deletion
im Bereich des PMP22-Gens (siehe HMSN Typ IA), seltener
durch eine Punktmutation im PMP22-Gen verursacht.
Methodik: Multiplex ligation-dependent probe
amplification (MLPA) - Deletionsscreeening des PMP22-Gens
und Punktmutationssuche im PMP22-Gen.
Sofern die Deletionsuntersuchung eine Deletion ausschliesst, wird
im Anschluss eine Sequenzierung des PMP22-Gens durchgeführt.