Die hereditären
sensorisch-autonomen Neuropathien (HSAN) stellen eine klinisch und
genetisch heterogene Gruppe von erblichen Erkrankungen des peripheren
Nervensystems dar. Bei der HSAN Typ IV (engl.: congenital insensitivity
to pain with anhidrosis, CIPA) bestehen von Geburt an eine Analgesie
und eine Anhidrose. Die Kinder zeigen selbstverstümmelndes
Verhalten (Abbeißen der Zungenspitze, Amputationen der Finger)
sowie rezidivierende Fieberschübe unklarer Ursache. Mentale
Retardierung ist fast immer vorhanden. Häufig findet man darüber
hinaus multiple Knochenfrakturen, schlechte Wundheilung, Ulzerationen
der Cornea und andere Auffälligkeiten.
Neuropathologisch
zeichnet sich die Erkrankung durch Fehlen der unmyelinisierten Axone,
verminderte Anzahl der kleinen myelinisierten Axone sowie normale,
jedoch nicht innervierte Schweißdrüsen aus. Die motorische
und sensorische Nervenleitgeschwindigkeit ist in der Regel normal.
Ein intrakutaner Histamintest oder eine Pilocarpin-Iontophorese
sind meist negativ.
Die HSAN Typ IV wird autosomal rezessiv vererbt. 1996 gelang es
der Arbeitsgruppe um Y. Indo, das verantwortliche Gen zu identifizieren.
Das NTRK1 (neurotrophic tyrosine receptor kinase 1)-Gen kodiert
für eine Rezeptortyrosinkinase für den neuronalen Wachstumsfaktor
(NGF). Bei von HSAN IV betroffenen Patienten wurden verschiedene
Punktmutationen, Deletionen und splice site-Mutationen in diesem
Gen identifiziert.
Für die
molekulargenetische Untersuchung des NTRK1-Gens wird die komplette
codierende Region in 12 Abschnitten mittels Polymerasekettenreaktion
amplifiziert und anschließend sequenziert.