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Universitätsstrasse 150 / 44801 Bochum / Tel. +49 234 3223839
Morbus Huntington


Allgemeine Informationen

Morbus Huntington (MH, auch Chorea Huntington, Huntington’s disease, HD) gehört zu den progredienten neurodegenerativen Erkrankungen. Die Prävalenz in Europa liegt etwa bei 5-10 pro 100000. Typische Symptome sind unkontrollierbare Hyperkinesen sowohl der Extremitäten wie auch der Rumpf- und Kopfmuskulatur. Fast immer findet sich im Krankheitsverlauf kognitiver Abbau, dessen Schweregrad jedoch sehr variabel sein kann. Psychiatrische Symptome sind häufig und mannigfaltig (affektive Störungen, paranoide Psychosen u.a.). Histopathologisch findet sich beim MH ein selektiver Untergang bestimmter Neurone, besonders im Bereich der Stammganglien (Nucl. Caudatus), aber auch im Bereich der Hirnrinde.
MH ist eine spät-manifestierende Erkrankung. Erste Symptome treten oft zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. Allerdings kommen sowohl Fälle mit früherem wie auch sehr viel späterem Erkrankungsbeginn vor. Juvenile Fälle sind sehr selten und unterscheiden sich klinisch meist von der klassischen Form des MH (sog. Westphal-Variante).
Der MH folgt dem autosomal-dominanten Erbgang, d.h. Erkrankte tragen praktisch immer ein mutiertes sowie ein Normalallel. Das Risiko für Nachkommen von MH-Patienten, selbst Mutationsträger zu sein, beträgt daher - unabhängig vom Geschlecht - 50%. Das für MH verantwortliche Gen (Huntingtin) wurde auf Chromosom 4p lokalisiert. Der pathogenetische Mechanismus besteht in einer abnormen Verlängerung eines Trinukleotid-Blocks (CAG)n innerhalb des ersten Exons des Gens, der zu einer verlängerten Polyglutaminkette innerhalb des Huntingtin-Proteins führt. Normalallele umfassen bis zu 35 CAG-Wiederholungen, während CAG-Blöcke mit 36 oder mehr Wiederholungen zur Erkrankung führen. Für Allele zwischen 36 und 40 CAG ist dabei eine reduzierte Penetranz beschrieben worden, d.h. nicht alle Mutationsträger erkranken im Laufe ihres Lebens. Allele zwischen 27 und 35 CAG sind nicht mit Krankheitssymptomen assoziiert; für Nachfahren besteht jedoch ein erhöhtes Risiko einer Expansion in den pathologischen Bereich.

Mit der Entdeckung der verantwortlichen Mutation steht heutzutage die Möglichkeit eines präsymptomatischen Tests für Risikopersonen zu Verfügung. Voraussetzung hierfür ist die Einbindung des Ratsuchenden in den humangenetischen Beratungsprozess mit begleitender psychotherapeutischer Unterstützung gemäß den Empfehlungen der Huntington-Selbsthilfe sowie der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik. Präsymptomatische Tests bei Minderjährigen werden (in der Regel) nicht durchgeführt. Pränatale Untersuchungen sind möglich, setzen aber in besonderem Maße die humangenetische und psychotherapeutische Begleitung der Ratsuchenden voraus.

 


Ansprechpartner

Dr. med. S. Wieczorek

Humangenetik
Gebäude MA 5
Ruhr-Universität
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Germany

Tel.: +49 234 32 23831
Fax: +49 234 32 14196

 


Links

Deutsche Huntington Hilfe e.V.

Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital

Morbus Huntington

Umgang mit Menschen mit der Huntington-Krankheit

Richtlinien für die Anwendung des präsymptomatischen molekulargenetischen Tests zur Huntington-Krankheit


Begutachtungsauftrag

Begutachtungsauftrag Molekulargenetik

 


 
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