Morbus Huntington (MH,
auch Chorea Huntington, Huntington’s disease, HD) gehört
zu den progredienten neurodegenerativen Erkrankungen. Die Prävalenz
in Europa liegt etwa bei 5-10 pro 100000. Typische Symptome sind
unkontrollierbare Hyperkinesen sowohl der Extremitäten wie
auch der Rumpf- und Kopfmuskulatur. Fast immer findet sich im Krankheitsverlauf
kognitiver Abbau, dessen Schweregrad jedoch sehr variabel sein kann.
Psychiatrische Symptome sind häufig und mannigfaltig (affektive
Störungen, paranoide Psychosen u.a.). Histopathologisch findet
sich beim MH ein selektiver Untergang bestimmter Neurone, besonders
im Bereich der Stammganglien (Nucl. Caudatus), aber auch im Bereich
der Hirnrinde.
MH ist eine spät-manifestierende Erkrankung. Erste Symptome
treten oft zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. Allerdings kommen
sowohl Fälle mit früherem wie auch sehr viel späterem
Erkrankungsbeginn vor. Juvenile Fälle sind sehr selten und
unterscheiden sich klinisch meist von der klassischen Form des MH
(sog. Westphal-Variante).
Der MH folgt dem autosomal-dominanten Erbgang, d.h. Erkrankte tragen
praktisch immer ein mutiertes sowie ein Normalallel. Das Risiko
für Nachkommen von MH-Patienten, selbst Mutationsträger
zu sein, beträgt daher - unabhängig vom Geschlecht - 50%.
Das für MH verantwortliche Gen (Huntingtin) wurde auf Chromosom
4p lokalisiert. Der pathogenetische Mechanismus besteht in einer
abnormen Verlängerung eines Trinukleotid-Blocks (CAG)n innerhalb
des ersten Exons des Gens, der zu einer verlängerten Polyglutaminkette
innerhalb des Huntingtin-Proteins führt. Normalallele umfassen
bis zu 35 CAG-Wiederholungen, während CAG-Blöcke mit 36
oder mehr Wiederholungen zur Erkrankung führen. Für Allele
zwischen 36 und 40 CAG ist dabei eine reduzierte Penetranz beschrieben
worden, d.h. nicht alle Mutationsträger erkranken im Laufe
ihres Lebens. Allele zwischen 27 und 35 CAG sind nicht mit Krankheitssymptomen
assoziiert; für Nachfahren besteht jedoch ein erhöhtes
Risiko einer Expansion in den pathologischen Bereich.
Mit der Entdeckung der
verantwortlichen Mutation steht heutzutage die Möglichkeit
eines präsymptomatischen Tests für Risikopersonen zu Verfügung.
Voraussetzung hierfür ist die Einbindung des Ratsuchenden in
den humangenetischen Beratungsprozess mit begleitender psychotherapeutischer
Unterstützung gemäß den Empfehlungen der Huntington-Selbsthilfe
sowie der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik. Präsymptomatische
Tests bei Minderjährigen werden (in der Regel) nicht durchgeführt.
Pränatale Untersuchungen sind möglich, setzen aber in
besonderem Maße die humangenetische und psychotherapeutische
Begleitung der Ratsuchenden voraus.