Bei der NBIA (neurodegeneration with brain iron accumulation; früher
Hallervorden-Spatz-Syndrom, HSS) handelt es sich um eine seltene
juvenile, progrediente Form der Neurodegeneration. Eine spezifische
Unterform der Erkrankungsgruppe ist mit Mutationen im PANK2 Gen
assoziiert (pantothenate kinase associated neurodegeneration, PKAN).
Klinisch lassen sich zwei Verlaufsformen der PKAN unterscheiden:
a) klassische Form: Die Patienten zeigen schon früh, meist
um das 3. oder 4. Lebensjahr, in aller Regel aber vor dem 8. Lebensjahr,
erste Symptome wie Gang- und Haltungsunsicherheit. Dystone Bewegungsstörungen
(zuerst an Kopf und Extremitäten, später auch am Rumpf),
Muskelrigidität oder Choreaathetose kommen meist hinzu. Auch
Bilder mit Spastik und Hyperreflexie und vorhandenen Pyramidenbahnzeichen
werden beschrieben. Im Verlauf kommt es zu dysarthrischen Veränderungen.
Ein Teil der Kinder zeigt einen Abbau geistiger Fähigkeiten.
In der Regel kommt es im Laufe von 10 bis 15 Jahren zum Verlust
der Gehfähigkeit. Viele Patienten zeigen eine pigmentäre
Retinopathie, manche auch eine Optikusatrophie mit entsprechender
Symptomatik. Einige Patienten zeigen im Blutaustrich Akanthozytose.
b) atypische Form: Der Krankheitsbeginn ist in der Regel nach hinten
verlagert (selten bis in die 3. Dekade), der Verlauf milder als
bei der klassischen Form. Initial können psychiatrische Symptome
wie Depression oder Psychosen vorherrschend sein. Auch Sprachstörungen
treten bei vielen Patienten schon frühzeitig auf. Extrapyramidale
Symptome, dystone und rigide Muskelveränderungen sind milder
ausgeprägt als bei der klassischen Form. Die Gehfähigkeit
bleibt meist über längere Zeit erhalten. Retinaveränderungen
sind insgesamt seltener. Ein Teil der Patienten zeigt im Verlauf
eine dementielle Entwicklung. Manchmal entwickelt sich ein Krampfleiden.
Beiden Formen gemein sind charakteristische Veränderung im
T2-gewichteten MRT. Es zeigen sich hypointense Zonen im Gebiet des
Globus pallidus und der Substantia nigra, in die ein hyperintenser
Kern eingelagert ist. Dieses "Tigeraugenphänomen"
scheint sehr spezifisch für das HSS zu sein.
PKAN folgt einem autosomal-rezessiven Erbgang, d.h. die Eltern der
Patienten sind in der Regel beide heterozygote Anlageträger,
zeigen aber selbst keine Symptome. Das statistische Erkrankungsrisiko
für jedes Kind solcher Paare beträgt 25%. Das für
PKAN verantwortliche Gen wurde 2001 auf Chromosom 20p13 identifiziert.
Bei etwa 50% der NBIA-Patienten und bei praktisch allen Patienten
mit klar definiertem PKAN-Phänotyp (incl. Tigeraugenphänomen)
finden sich Mutationen im PANK2-Gen. Dieses kodiert für die
Pantothenatkinase 2, welche an der Synthese von Coenzym A aus dem
Vitamin B5 beteiligt ist. Die molekulargenetische Diagnose erfolgt
durch direkte Sequenzanalyse der 7 Exons des Gens. Beim klassischen
Typ der PKAN finden sich eher Nonsense- und Frameshift-Mutationen,
während bei der atypischen Form eher Missense-Mutationen auftreten.
Eine Unterscheidung der beiden Formen anhand des molekulargenetischen
Befunds ist jedoch meist nicht möglich.
Eine kausale Therapie existiert bis jetzt nicht. Nach Entdeckung
des verantwortlichen Gens sind Behandlungsansätze zur Beeinflussung
des Vitamin B5-Stoffwechsels denkbar, im Moment aber noch nicht
klinisch etabliert. Momentan laufen u.a. Therapiestudien unter Verwendung
von Coenzym Q10.