Muskeldystrophien sind
eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe primär degenerativer,
progressiver Muskelerkrankungen. Das Manifestationsalter der Erkrankung
ist sehr variabel. Die Klassifikation der vielen Formen der Muskeldystrophien
erfolgt zumeist auf Grund ihrer defekten Genprodukte und der Vererbungsmuster.
Eine Untergruppe der Muskeldystrophien stellen die Gliedermuskeldystrophien
(limb girdle muscular dystrophy, LGMD) dar. LGMDs werden in autosomal
dominante (LGMD1A-1D) und rezessiv (LGMD2A-I) vererbte Formen unterteilt.
Autosomal rezessiv vererbte Formen schließen die Sarkoglykanopathien
ein. Mutationen in vier Sarkoglykan-Genen sind bekannt, die zu Sarkoglykanopthie
(alpha, beta, gamma und delta) führen. Die Sarkoglykane sind
Membranproteine des Sarkolemms, bestehen aus sechs Untereinheiten
(alpha, beta, gamma, delta, epsilon und zeta) und gehören zum
dystrophinassozierten Proteinkomplex (DGC). Die Funktion der Sarkoglykane
ist nur teilweise bekannt; sie sind Strukturproteine, die u. a.
die Verbindung zwischen Dystroglykan und Dystrophin/Utrophin stabilisieren.
Bei allen LGMDs sind
infolge des primären genetischen Defekts einer einzelnen Komponente
auch die anderen Bestandteile des DGC sekundär vermindert.
Die Diagnose erfordert daher den direkten Nachweis einer Mutation
in einem der Sarkoglykan-Gene nach dem Nachweis der Verminderung
der verschiedenen Komponenten des DGC im Muskelbiopsat mittels Immunohistochemie
oder Immunoblot.