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Universitätsstrasse 150 / 44801 Bochum / Tel. +49 234 3223839
Spinocerebelläre Ataxie (SCA)


Allgemeine Informationen

Als spinocerebelläre Ataxien (SCA) werden progredient verlaufende Formen der autosomal-dominant vererbten cerebellären Ataxien (ADCA) bezeichnet. Gemeinsames Merkmal der SCA ist die cerebelläre Symptomatik mit Ataxie, Dysarthrie und Nystagmus. Charakteristische Merkmale einzelner Formen sind in der Tabelle wiedergegeben. Klinisch unterscheidet man den ADCA Typ I (cerebelläre + nicht-cerebelläre Symptomatik) vom Typ II (cerebelläre Symptomatik + Retinadegeneration) und Typ III (rein cerebelläre Symptomatik). Die Symptome der einzelnen Unterformen überlappen jedoch erheblich, wodurch die klinische Differenzierung oftmals sehr schwierig ist. Die Prävalenz der ADCAs liegt in Europa bei 1-2/100000. In der Tabelle finden sich die durchschnittlichen relativen Häufigkeiten der einzelnen Unterformen, wobei starke regionale Unterschiede bestehen. In Westdeutschland findet man am häufigsten SCA3/Machado-Joseph-Krankheit/MJD (35%) bzw. SCA6 (25%). Bei fast allen SCA-Formen, bei denen die genetische Ursache der Symptomatik aufgedeckt werden konnte, fand sich eine pathologische Expansion eines repetitiven Sequenzabschnitts (Ausnahme: SCA14). Meist handelt es sich dabei um einen (CAG)n Block in kodierenden Bereichen eines Gens, weshalb diese SCA-Formen wie Morbus Huntington, dentatorubrale-pallidolysiane Atrophie (DRPLA) u.a. zu den Polyglutaminerkrankungen gerechnet werden. Eine weitere Expansion eines solchen, bereits verlängerten Segmentblocks bei Vererbung auf die Nachkommen erklärt das in vielen SCA-Familien zu beobachtende Phänomen der Antizipation, d.h. die Erniedrigung des Erkrankungsalters in folgenden Generationen.

Für folgende SCA-Formen wird von uns eine Diagnostik angeboten: SCA1, -2. -3/MJD, -6, -7, -8, -10, -12, -14 und -17.

SCA-Form % aller ADCA
(West-Deutschland)

Genlokus Gen Mutation Besonderheiten
SCA1 ca. 10% 6p23 ATXN1 kodierende CAG-Expansion (>39) Pyramidenbahn-Zeichen; periphere Neuropathie; z.T. externe Ophthalmoplegie und/oder Demenz
SCA2 ca. 10% 12q24.1 ATXN2 kodierende CAG-Expansion (>32) verlangsamte Blicksakkaden; abgeschwächte MER; Halte- und Aktionstremor
SCA3/MJD ca. 35% 14q21 ATXN3/
MJD1

kodierende CAG-Expansion

(>52)

Dystonie; Rigor/Spastik; Protusio bulbi; faziolinguale Myokymien; bei 53/54 CAG z.T. auschließliche periphere Symptome (PNP; restless legs u.a.)
SCA6 ca. 25% 19q13.4

CACNA1A kodierende CAG-Expansion (>20) später Beginn; langsame Progredienz;
z.T. periphere Neuropathie und Pyramiden- bahnzeichen; Punktmutationen im CACNA1A
Gen sind mit der episodischen Ataxie Typ 2
bzw. der familiären hemiplegischen Migräne
assoziiert
SCA7 selten 3p21.1-p12 ATXN7 kodierende CAG-Expansion (>36) pigmentäre Retinadegeneration mit Visusverlust (z.T. vor Beginn der cerebellären Symptomatik); ausgeprägte Antizipation besonders bei paternaler Vererbung

SCA8 selten 13q21 KLHL1AS CTG-Expansion (3'UTR) (>80) z.T. mit Spastik; vermindertes Vibrationsempfinden; pathogenetische Relevanz der
Expansion letztlich nicht abschließend gesichert
(seltener Polymorphismus?)
SCA10 sehr selten 22q13 ATXN10 ATTCT-Expansion (Intron) (>280) intronische Mutation; kommt v.a. in Mexiko vor; Epilepsie; Pyramidenbahnzeichen; PNP
SCA12 sehr selten 5q31 PPP2R2B

CAG-Expansion (Promotor) (>54)

Mutation im Promotorbereich; Beginn mit Tremor; langsame Progredienz; z.T. Demenz
SCA14 selten 19q13.4 PRKCG Punktmutationen in japanischen und europäischen Familien beschrieben; cerebelläre Symtomatik;
variables Bild mit oder ohne Myoklonien; Kopftremor
SCA17 selten 6q27 TBP kodierende CAG-Expansion (>44) Dystonie; Parkinsonismus; Spastik; Demenz; z.T.sehr ähnlich dem Morbus Huntington
Für die anderen SCA-Formen sind zwar in der Regel Loci kartiert, die verantwortlichen Gene konnten jedoch noch nicht identifiziert werden. Eine direkte molekulargenetische Diagnostik steht daher für diese Formen noch nicht zur Verfügung.

 


Ansprechpartner

Dr. med. S. Wieczorek

Humangenetik
Gebäude MA 5
Ruhr-Universität
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Germany

Tel.: +49 234 32 23831
Fax: +49 234 32 14196

 


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