Angeborene nicht-syndromale Schwerhörigkeit ist in etwa der
Hälfte der Fälle genetisch bedingt. Eine Vielzahl von
Mutationen in verschiedenen Genen, die Innenohrschwerhörigkeit
verursachen können, wurde bereits identifiziert. Klinisch hat
bisher die molekulargenetische Untersuchung des GJB2-Gens
die größte Bedeutung erlangt. Insgesamt sind ca. 50 %
der prälingualen nicht-syndromalen Hörstörungen auf
Mutationen im GJB2-Gen zurückzuführen. Dieses
Gen kodiert für ein gap-junction Protein, welches auch als
Connexin 26 (Cx26) bezeichnet wird. Mutationen im Connexin26-Gen
finden sich bei etwa 60-70% aller sensorineuralen, genetisch-bedingten,
autosomal-rezessiv vererbten Hörstörungen, wobei die phänotypischen
Auswirkungen sehr variabel sein können und mittlere bis schwere
Hörverluste bewirken können. In den meisten Fällen
liegen zwei pathogene Mutationen im GJB2-Gen vor. Allerdings
kann auch nur eine Mutation im GJB2-Gen vorhanden und von
einer Deletion des GJB6-Gens (Connexin30) begleitet
sein. Einige Mutationen des GJB2-Gens werden mit der autosomal-dominanten
Form der Schwerhörigkeit/ Taubheit in Zusammenhang gebracht
(DFNA3) und sind nach heutigem Kenntnisstand im heterozygoten Zustand
ursächlich für eine Erkrankung.
Methodik:
Mutationssuche im Exon 2 des GJB2-Gens. Wenn zwei pathogene
Mutationen identifiziert werden können, kann die Diagnose DFN1B
gestellt werden.
Falls nur eine pathogene Mutation im GJB2-Gen vorliegt,
erfolgt zusätzlich ein GJB6-Deletionsscreening mittels
spezifischer Junction-Fragmente, die nur bei Deletion nachgewiesen
werden können.
Ggf. erfolgt die Untersuchung des nicht-kodierenden Exon 1 des GJB2-Gens
(nach Rücksprache).